Ansager Finn Traud führte charmant und locker durch das Programm. Er erzählte von seiner Heimat Molzbach, wo man maximal vom Trecker überfahren werden kann – im Gegensatz zu Berlin, kritisierte die vielen Fake-News übers Handy, berichtete von seiner Erfahrung mit Pferden und spielte in den Pausen gut gelaunt und spontan mit dem Publikum. Auch die Entstehung des Skifahrens, das erst nach dem Après-Ski entwickelt wurde oder auch der Beruf des Postboten wurden humorvoll beleuchtet.
Ein tänzerisches Highlight bot der Gardetanz der „Dancing Roses“, die sich jedes Jahr in Synchronität und Schnelligkeit steigern können. Im Sketch „Gin & Gurke meets Asbach“ sorgte die glückliche Glüh-Gin-Gina für viele Lacher, die zwei ältere Damen nach dem Einkauf und auch die Jugend, die passend zum aktuellen Wetter von der Schlittenwiese kam, zu einem Glühwein überreden konnte. Es folgte ein Appell an die Dorfgemeinschaft: Unterstützung für den Ort, vor allem den tegut, Vereine, Patenschaften oder Blühwiesen und Hochbeete am Sportplatz. Sie fragten sich, ob die Tonica wirklich aufgrund der in den eigenen Reihen derzeit in großer Anzahl „produzierten“ Babys einen Aufnahmestop hat.
Die Bütt von Sabine Trapp - als echter Hippi ohne Text und barfuß - stand unter dem Motto: „Wenn alle mitmachen geht’s richtig schnell: Liebe und Frieden kommen aus Mackenzell.“ Sie schlug vor, nach einer Yoga-Stunde mit Judith könne man doch im Tonica-Steinbruch feiern: mit Blaskapelle, Maddabraska oder Singapur und dem am Sportplatz angebauten Gras kommt echtes Woodstock-Feeling nach Mackenzell.
Die „Red Pearls“ haben sich verstärkt und zeigten mit „Peter Pan“ in tollen Kostümen einen phantasievollen Showtanz. Die Bänkelsänger legten wie immer den Finger in so manche Wunde aus dem Dorfgeschehen: die Heizung in der Kirche oder der an die Stadt verkaufte Kindergarten kamen zur Sprache. Bei der gerappten Zugabe hielt es keinen Zuschauer mehr auf seinen Platz. Die Molzbacher Voltis zeigten unfassbare Akrobatik. In wie immer selbst genähten Kostümen tanzten und turnten sie ausdrucksstark über die Bühne.
Viel Applaus erhielt der Sketch der Kirmes, die eine Vorstandsitzung nachstellte, wie sie bestimmt in vielen anderen Vereinen auch stattfinden könnte – die Kirmes nahm sich selbst aufs Korn und kündigte das Jubiläum mit„75 Jahre, 75 Paare“ an. Dabei schaffte es Lukas Raake in perfektem Reim das Publikum zum Grölen zu bringen und Ole Brehl wurde zum Ploatzknecht erkoren.
Auch die Ehrengäste hatten kurzweilige Büttenreden mitgebracht: die beiden Ortsvorsteher Udo Tischler und Katja Hartung-Jesensky gingen auf den anstehenden Wahlkampf ein, wobei Katja beim Versuch selbst zu singen vom Publikum nur zu hören bekam „du hast die Haare schön“. Als Bürgermeister Benjamin Tschesnok als gebürtiger Mackenzeller ein „Gaalbern – Hinein“ in den Saal rief, wurde er ausgebuht, brachte jedoch das Publikum schnell wieder auf seine Seite, denn er huldigte Mackenzell und stellte fest, dass noch immer der „Apfel mit Grips“ in der Birne steckt.
Tanzmariechen Angelina Kirst, die an beiden Abenden gleich dreimal auf der Bühne stand, eroberte mit einem schwungvollen Tanz die Zuschauer. Auch die Bütt von Daniel Trapp, Vereins- und Ortsberater 5.0, sorgte mit scharfsinnigen Beobachtungen über Postboten, Wahlen, Kirche, Winzer-Tattoos und legendärem Öffnungszeiten-Bingo beim Metzger für beste Unterhaltung.
Im weiteren Verlauf folgte der Sketch der „Drei Biber, die nach links schauen“, die einen Blumenstrauß von schlechter Laune mitgebracht hatten und genau das Gegenteil bewirkten: Der mürrische Präsident Thomas, die Tanzgarde Stinkstiefel, die Schwänkelsänger oder MAZ und MOZ mit dem reichen Mädchen: sie hielten allen Karnevalisten den Spiegel vor.
Die Tonica bezog beim „Mackenzeller Hitster“ das Publikum mit ein und holte Zuschauer mit auf die Bühne: die beiden Saalhälften traten gegeneinander an und die Stimmung kochte immer weiter hoch. Zudem hatten sie Lieder aus den ersten Jahren der MKV mitgebracht die zeigten, dass auch damals schon sehr kreative Köpfe am Werk waren.
Damals wie heute gehören auch immer wieder tolle Gardetänze mit ins Programm: die Dancing Stars zeigten einen mitreißenden Tanz, bevor das im ganzen Landkreis bekannte Schritttempo die Bühne und den ganzen Saal eroberte: „Eine kleine Lok, ein großes Band – vereint auf Kurs nach Lummerland“. Mit aufwändigem Bühnenbild, schnellen und abwechslungsreichen Schrittfolgen, mitreißender Musik und einem wahnsinnigen Ausdruck ernteten sie stehende Ovationen.
Mit einem großen Finale endete ein Abend, der eindrucksvoll zeigte: Mackenzell und Molzbach können närrisch, politisch, musikalisch – und vor allem eines ganz besonders gut: Gemeinschaft leben.
